Oktober 2005 Archive

Diese Kampagne der „National Society for the Prevention of Cruelty to Children (NSPCC)" fällt aus dem Rahmen. Der mächtige private Verband kämpft gegen Gewalt gegen Kinder, ist aber wegen seiner aggressiven Spendendenpolitik in der Diskussion.



Die Kampagne ist allerdings Online-Werbung in Bestform: Ein Kind tritt zaghaft ins Bild und steht bald so isoliert im Raum, wie der Text es anprangert.



Mit großem Erfolg. Die Kreativagentur Agency.com spricht je nach Schaltung von Klickraten zwischen 5 und 10 Prozent.

Werbung in Blogs - die uneinnehmbare Festung

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„Wir bieten an, über jeden, der uns zu einem Frühstück, Mittagessen oder Abendessen auf der Messe einlädt, einen kleinen Blog-Artikel zu schreiben - binnen 24 Stunden nach der Mahlzeit. Der Text wird freundlich, eventuell durchaus kritisch, keine garantierte Lobeshymne. Und es wird im Text erwähnt, daß wir zum Essen eingeladen wurden. Man sollte uns nicht langweilen, sonst wird's kein guter Text."

So unkomplizierte Paid-Content-Kooperationen wie das vom „Literaturblog" zur Frankfurter Buchmesse bekommen Werbungtreibende selten. Denn eigentliche sind Weblogs Werbers Alptraum: Unübersichtlich vielfältig, unverständlich unterhaltsam, unbeherrschbar unkommerziell sowie unglaublich attraktiv in ihrer medialen Unabhängigkeit und dabei unverhältnismäßig beliebt bei allen Medien. Ganz klar: Blogs sind trendy. Doch noch ist jeder Versuch gescheitert, Blogs als Kampagnenelement zu domestizieren. Es ist zum Verrücktwerden.

Eigentlich könnte man die Suche nach dem richtigen Zugang zur Leserschaft von Weblogs mangels Reichweite gleich lassen - noch kommt kein Weblog in Deutschland über ein paar tausend Leser am Tag hinaus, und auch diese Masse erreicht höchstens eine Handvoll. Wenn da nicht ein Problem wäre: Blogger und und ihre Leser sind politische, gesellschaftliche und modische Avantgarde, schlicht, die Premiumzielgruppe schlechthin und begehrte Multiplikatoren für alles, was morgen Hype, Norm oder sonstwas sein will. Anders formuliert: Gerade die kommerzielle Unzugänglichkeit der Weblogs ist der eigentliche Reiz für den Werber.

Google hat das Problem als erster erkannt und eine gewohnt schnörkellöse Lösung gefunden, die unterhalb der Radarlinie jeder Media-Planbarkeit fliegt: Adsense. Adsense bringt die von Google vertraute Suchmaschinenwerbung auf jede Website, die sich diesem Programm anschließt. Zwar kann man auf Wunsch einzelne Sites gezielt ausschließen, generell lebt Adsense aber davon, daß die Werbung nach geheimen Google-Berechnungen dort aufpoppt, wo sie im Kontext sinnvoll erscheint. Und Google ist schlau genug, Anzeigen nur dort zu schalten, wo sie auch geklickt werden, schließlich verdienen alle nur dann. Ist am Ende Googles Mathematik erfolgreicher als jede konventionelle Planung? Vor allem kommerziell konziperte Newsdienste im Blogformat verdienen mit Adsense prächtig. Das amerikanische Blogkombinat um den Leitstern Engadget.com, gerade für 15 Mio. Dollar an AOL verkauft, prahlt mit 3.000 Dollar Adsense-Umsatz - pro Tag.

Das Blogmarketing kennt neben Bannerwerbung vor allem Kooperationen: Blogger treten als assoziierter Trendscout der Marke auf, werden Gastkommentator auf der Firmenwebsite oder fungieren als Event-Berichterstatter. In Amerika engagieren Unternehmen eigene Blog-Autoren, denn Blogs gehören zu den Informationsquellen mit der höchsten Glaubwürdigkeit. Vorreiter ist wie so oft die Automobilindustrie. Für sie spielt das Web eine Schlüsselrolle - 85 Prozent aller Autokäufer recherchieren vor dem Besuch eines Autohauses online. Die Internetagentur knallgrau hat folgerichtig zur IAA im Auftrag ihres Kunden BMW ein Autoblog betrieben.

Weil das alles nur indirekt wirkt, starten die Hersteller vermehrt Blogs im eigenen Namen - in der Hoffnung, daß die Kraft der Marke höhere Reichweiten erzielt. Air Berlin bot im letzten Weihnachtsgeschäft das „Wien:Blog", das zwei Teens auf ihrer Shopping- und Clubbing-Tour durch die Metropole begleitete. Der Tiefkühlanbieter Frosta vermittelt im „Frosta-Blog" ein Gefühl dafür, wie aufwendig es ist, auf chemische Additive zu verzichten. Auch wenn vieles noch ungelenk wirkt: Die größte Zukunft des Blog-Marketing steckt im eigenen Blog.

Noch sind Blogs werbefreie Zone

Google macht es vor: Blogger, die sich für Adsense freischalten, sind für Werbetreibende zugänglich. Alles, was nicht Adsense heißt, steckt noch in den Kinderschuhen. Die in Deutschland erfolgreichen Blogs mit etwas Reichweite wie Bildblog, Shopblogger, Don Dahlmann oder Lawblog lehnen Werbung derzeit noch als illegitime Form der inhaltlichen Einflußnahme ab. Ob Prinzip oder Attitüde - vielleicht hat sie nur noch niemand gefragt.

Erstmalig sinkt bei Suchmaschinenauktionen die Zahl der Bieter. Dennoch geben die Preise nicht nach. Was steckt dahinter? Derzeit schlägt die Stunde der Spezialisten. Nicht mehr Reichweite, Rendite steht im Mittelpunkt. Und Rendite erzielen ganz andere Suchworte als mancher denkt.

Werbekunden belegten bislang gerne Gattungsbegriffe wie „Versicherung" oder „Handy". Das geballte Interesse trieb die Preise und brachte jedem viele Klicks, führte aber zu wenig Umsatz. Denn die Themenfelder sind so breit, daß gezielte Werbung kaum möglich ist.

Viele sehen jetzt ein, daß es sinnvoller ist, nicht am Beginn der Recherche, sondern in der letzten Suchphase zu werben - genau dann, wenn sich die wahre Stoßrichtung durch präzise Anfragen wie „Private Krankenversicherung Einzelzimmer" oder „Prepaid Handy SMS Bundle" klar erkennen läßt. Wer an dieser Stelle wirbt, kann sich viel besser darstellen und Interessenten besser konvertieren.

Dank professioneller Agenturbetreuung und Bid-Management-Tools kann zudem ohne viel Aufwand eine nahezu unbegrenzte Anzahl seltener Spezial-Keywords belegt werden. Auch das hält die Preise stabil.

Präzise Trackingverfahren sorgen parallel dafür, daß Media-Planer den ROI ihrer Werbung auf den Cent genau kennen. Das führt zu festen Preisobergrenzen. Gemessen am Cost per Click stößt Suchmaschinenmarketing mancherorts in die Regionen von Affiliate-Marketing und TKP-Kampagnen, mit dem Unterschied, daß diese mehr für die Marke leisten. Hier ist die natürliche Grenze für Keywords erreicht.

Preistreiber sind derzeit die großen Markenartikler. Sie sind gerade zu Saisonhöhepunkten wie dem Weihnachtsgeschäft auch im Suchmaschinenmarketing bereit, fast jeden Preis zu zahlen, um mit „ihren" Begriffen ganz oben zu stehen. Der Markt bleibt also in Bewegung.

Anzahl Werbungtreibende nach Branche im Suchmaschinenmarketing

Mediabrief Ausgabe 11/2005

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Eigentlich sind Weblogs Werbers Alptraum: Unübersichtlich vielfältig, unverständlich unterhaltsam, unbeherrschbar unkommerziell sowie unglaublich attraktiv in ihrer medialen Unabhängigkeit und dabei unverhältnismäßig beliebt bei allen Medien. Ganz klar: Blogs sind trendy. Doch noch ist jeder Versuch gescheitert, Blogs als Kampagnenelement zu domestizieren. Welche Werbeleistung Blogs bringen und welche nicht, erklärt der Mediabrief 11/2005. [PDF]