April 2006 Archive

Online-Media-Planer haben einen neuen Schatz gehoben: „Behavioral Targeting", zu deutsch: Verhaltensauswahl und in Kurzform: BeTa.

BeTA hat das Zeug dazu, ein altes Versprechen der Internetwerbung einzulösen: dem Konsumenten genau die Werbung zu zeigen, die ihn interessiert. BeTa ist kein Buzz der Vermarkter, sondern ein mächtiger Hebel, die Ansprüche des Werbungtreibenden an Reichweite, Ansprache und Konversion zu erfüllen.

BeTA ist eine praxisbezogene Anwendung der klassischen Nutzerstromanalyse. Jeder Mediaplaner kann mit ihr den Klickstrom jedes einzelnen Nutzers und damit seine besuchten Internetseiten und das Leseverhalten sammeln, analysieren und für eine individualisierte Werbestrategie einsetzen. Erstmals werden Mediaschaltungen möglich, die nicht auf allgemeinen soziodemographischen Erkenntnissen des Massenmarketings mit dementsprechend hoher Streuung basieren, sondern auf dem tatsächlich an den Tag gelegten persönlichen Verhalten. Wer mit BeTa Werbung plant, schaltet nicht zum Umfeld passende Werbung, sondern zu seinen Kunden passende.

Das hört sich nach Big Brother an. Tatsächlich ist Missbrauch möglich - allerdings nicht mehr als heute schon üblich. Die personenbezogenen Daten sind anonymisiert in einem separaten Textdokument (Cookie) auf dem Rechner des Nutzers gespeichert. Jeder Nutzer hat jetzt schon Hunderte hiervon auf seiner Festplatte. Nur wurden sie bislang nicht werbestrategisch erschlossen. Dass dies jetzt möglich ist, ist ein enormer methodischer Fortschritt. Die Einsatzmöglichkeiten sind grenzenlos: Lest in ihren Seitenaufrufen, und ihr werdet eure Kunden erkennen! Plötzlich ist es leicht, urbane Mütter, reisende Manager, Neuwagenbesitzer oder urlaubende Rentner anzusprechen.

Je genauer man hinschaut, um so waghalsiger erscheint die bisherige Werbestrategie, Zielgruppen anhand einer einzigen besuchten Seite erkennen und ansprechen zu wollen. Nicht jeder Leser von Modemagazinen ist für jede Marke ansprechbar. Bisher konnte niemand darauf Rücksicht nehmen. Automagazinleser sind selten Neuwagenkäufer, nicht jeder brigitte.de-Besucher eine Frau im Konflikt zwischen Kind und Karriere. Umgekehrt ist es unendlich wertvoll, Nutzer zu identifizieren, die einen PKW-Konfigurator nutzen und Autotests lesen - für Autohäuser, für Banken. Für Zubehörhändler schon wieder nicht. Erkenne den Unterschied.

Wie sieht das in der Praxis aus? Studien belegen (wenig überraschend), dass verhaltensbasiert geschaltete Werbung wirksamer ist als kontextbezogene. Ein Beispiel: American Airlines sucht Geschäftsreisende. Die Agentur TM Advertising analysiert, was und vor allem wie die Besucher die wichtigsten Online-News lesen. Aus diesen Daten bildet die Agentur geeignete Nutzersegmente und spricht fortan genau die Besucher mit der Airline-Werbung an, die dem Raster entsprechen. Das Ergebnis: Der Streuverlust geht dramatisch zurück, die Abverkäufe über BeTa-Banner steigen um 115 Prozent gegenüber klasssischen Bannerkampagnen. In einem anderen Fall hilft die Rosinenpickerei, passive Bestandskunden wiederzufinden - wer lange nicht mehr Kunde des eigenen Portals war, erhält spezielle Angebote angezeigt - ganz gleich, wo immer er sich aufhält. Die Konsequenz: Die Mail zur Kundenbindung hat ausgedient. Heute übernimmt dies der Banner.

BeTA entzerrt auch das Problem wettbewerbsintensiver Werbeumfelder. Beispielsweise werden Diätwillige nicht auf brigitte.de angesprochen, sondern erst, wenn sie sich auf inhaltlich ganz anderen Webseiten aufhalten. Hier ist die Werbung viel aufmerksamkeitsstärker. Ohne BeTa undenkbar.

Behavioral Targeting (BeTa) erfasst das Verhalten des einzelnen Users und macht es für eine individuelle Werbestrategie nutzbar. Eingebunden in die Werbebanner der großen Netzwerke, sammelt BeTa Informationen zu den besuchten Internetseiten und dem Leseverhalten des Nutzers. Erstmals kann ein Werbungtreibender diese Informationen in Beziehung setzen. Hieraus entstehen Verhaltensmuster, mit denen jeder einzelne Nutzer für geeignete Werbesegmente klassifiziert werden kann.

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Wallpaper, großformatige Anzeigen rund um den redaktionellen Inhalt einer Website, sind nichts Neues. Spannend wird es erst, wenn die übergreifende Interaktion so gut funktioniert wie bei „Do U Have The Proof" einer Brausemarke aus dem Hause Coca-Cola. Bei Aufruf der Website ign.com verwandelt sich der Mauszeiger in das Sprite-Logo. Die Werbung konkurriert mit üppigen Inhalten. Sie ist überhaupt erst sichtbar, wenn man die Textzeilen freiwischt. Der Lohn: witzige virale Videos zu sportlichem Wahnsinn im Alltag.

Das Internet wird weiblicher

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Was waren das noch für Zeiten, als das Internet das Spielzeug männlicher Informatikstudenten war. Heute ist das Internet in jeder Hinsicht ein Massenmedium. Knapp 60 Prozent der deutschen Bevölkerung sind online, knapp die Hälfte ist weiblich (45 Prozent, Quelle: EIAA). Derzeit sind in jeder Woche 31 Millionen Menschen im Netz (AGOF).

Bei beiderlei Geschlecht ergeben sich die stärksten Unterschiede nicht mehr durch den Bildungsgrad, sondern das Lebensalter. Vor allem Jugendliche können sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen - in der Altersgruppe zwischen 16 und 24 Jahren nutzen 81 Prozent aller Frauen das Internet. Dies ist lediglich bei 21 Prozent der über 50-Jährigen der Fall.

Dennoch wird hier das stärkste Wachstum stattfinden - wenn die Avantgarde der ersten Internetgeneration bald in dieses Lebensalter eintritt. Die Nutzungsdauer von Frauen steht bei 9,3 Stunden in der Woche gegenüber 10,2 Stunden für die Gesamtnutzerschaft.

Bei aller Gleichheit surfen Frauen anders als Männer. Vergleicht man die Statistiken von weiblicher und Gesamtbevölkerung, zeigt sich, dass Recherche und Mailen noch gleich genutzt werden. Männer lesen gerne Nachrichten im Internet. Die weibliche Bevölkerung setzt sich stattdessen lieber zu Ebay ab oder stöbert in regionalen Angeboten, was laut AGOF Männern wesentlich weniger im Blut liegt. Shoppen wiederum ist keine geschlechtsspezifische Tätigkeit - das machen alle gern.

Überraschend selten werden Gesundheitsthemen und Preisportale angesteuert. Während das eine Folge der geringen Reichweite bei der relevanten Zielgruppe 50-plus ist, resultiert das Desinteresse an Preissuchen wohl aus einem anderen Kaufverhalten - PCs lassen sich eben besser auf Preise reduzieren als Mode-Labels.

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Frauen surfen genauso gerne im Netz wie Männer. Nachdem Recherche und Mails erledigt sind, gehen sie aber getrennte Wege - die Frauen zu Ebay und lokalen Angeboten. Aber bald schon sind sie glücklich vereint: beim Shoppen. Quelle: European Interactive Advertising Association