Kunden sind einfach die besseren Verkäufer

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Web-Surfer, jahrelang an fünf, höchstens zehn Websites gewöhnt, wissen plötzlich gar nicht mehr, wohin sie klicken sollen vor interessantem Inhalt. Hier ein Blog, da eine Community, und hinter der nächsten Ecke ein kostenloses Videoportal. Die Folge: Der Traffic steigt, verteilt sich aber auf eine ungleich höhere Anzahl von Websites. Das Long-Tail-Phänomen (sinngemäß etwa: alle kleinen Websites zusammen haben mehr Reichweite als die wenigen Top-Websites) kommt in der Werbewirtschaft an.

Die andere Seite, die Welt der Websitebetreiber, hat ihre liebe Not mit dem unerwarteten Erfolg. Er lässt sich schlecht monetarisieren. Paid Content bleibt tot, für klassisches Bannermarketing reicht der Traffic nicht. Google Adsense heißt der Finanz-Tropf, an dem heute fast alle Start-ups mit Ambitionen hängen. Manche können sogar davon leben.

Nachteile? Durchaus. Wie immer bei Google entscheidet ein unbekannter Algorithmus darüber, wann wo welche Werbung erscheint. Qualitätskontrolle? Keine. Je spezieller, persönlicher oder aktueller die Texte, umso fremdartiger wirken die Google-Ads. Was zu geringeren Klickraten und letztlich schlechterem Umsatz führt.

Adsense war gestern. Jetzt kommt der provisionierte Selbstvertrieb. Vordenker sind die US-Firmen Goodstorm und E-Bay (Siehe Exciting-Commerce). Ihre Überlegung: Die Kunden sind längst die eigentlichen Produktexperten. Sollen sie den Vertrieb doch künftig selbst übernehmen und sich gegenseitig ihre Lieblingsprodukte verkaufen! Das passende Schlagwort dazu lautet Me-Commerce. Formate der ersten Stunde sind Shops im Bannerformat. Blogs, Foren oder Wikis mutieren von Verlegern zu offenen Händlern beliebiger Produktwelten.

Me-Commerce folgt der Erkenntnis, dass niemand besser die Bedürfnisse von Kunden kennt als sie selbst. Nur wer selbst Kunde ist, kann nachvollziehen, für welche Werbebotschaften das eigene Umfeld offen ist.

Als Belohnung für die Wandlung vom Konsumenten zum Multiplikator erhält der Betreiber eines Me-Shops eine Umsatzbeteiligung. Auslieferung, Inkasso und Kundendienst übernehmen die Programmbetreiber. Im Falle der Firma Goodstorm verdient der Me-Shopper immerhin 50 Prozent - allerdings von der Affiliate-Provision, nicht vom Umsatz. Aber das ist immer noch viel im Vergleich zu Google Adsense. Da ging es um die Belohnung des Klicks auf Banner. Abverkäufe sind eine ungleich härtere Währung.

Für Media & Marketing revolutionär sind an diesem Prinzip weder Technik noch Gewinnanteil. Wichtig ist die Erkenntnis, dass die Reputation des Konsumenten, der ein Produkt weiterempfiehlt, auf die Marke abstrahlt. Und umgekehrt. Ein Blogger wird nur die Produkte in seinen Shop aufnehmen, die zu seiner Wertewelt und derjenigen seiner Leserschaft passen.

Natürlich spielen auch profanere Kriterien, wie Marge, Nachfrage nach einzelnen Produktgattungen oder ihre Verfügbarkeit eine Rolle. Aber diese ändern nichts an dem zentralen Mechanismus: Me-Shops führen nur positive Produkte. Die Verbreitung einer Marke in den Me-Shops ergibt Echtzeit-Informationen über ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Das ist die eigentliche Katastrophe für viele Hersteller. Nur wenige kommen je in diese personenbetriebenen Shops rein. Je austauschbarer ein Produkt, umso seltener wird es in den Genuss dieser Multiplikation kommen.

Wir werden es noch erleben: Konsumenten werben für Firmen. Die Marke fällt tatsächlich in die Hände derer, die ihre Existenz überhaupt ermöglichen. Welche Form der Werbung bleibt den Herstellern selbst? Die Verkäufer zu vermarkten. Das Ergebnis: E-Commerce wird Personenmarketing. Und Me-Commerce zeigt: Die Zukunft hat schon begonnen.

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Shop mit Blog oder Blog mit Shop von Thinkomat - Die Ideenentwicklungsmaschine zu 10.02.07 22:57

Das ist hier die Frage. Bin heute morgen über einen interessanten Artikel auf mediabrief gestolpert. Kunden wären die besseren Verkäufer da sie sich besser in andere Kunden hineinversetzen können. Dort bin ich auf so gennante Me-Shops gestossen. Da... Mehr

7 Kommentare

Welche Form der Werbung den Herstellern noch bleibt? Die Be-Werbung im Kreis derer, die an allen Aspekten des Produktes und Unternehmens aus persönlichen (nicht komerziellen) Gründen interessiert sind. Denn nur hier entsteht die einzig glaubwürdige und damit wirksame Werbung: Die Werbung durch den Kunden - denn er ist kundig und in seinem Lebensumfeld vertrauensvoll vernetzt.
Unternehmen, die mit Belohnung - statt durch Anerkennung Integration und entsprechender Behandlung - den Konsumenten zum Multiplikator wandeln wollen, suchen nur eine neumodische Form des "Vertriebs". Der Markt sucht nicht nach Vertreibern sondern nach Dialogpartnern. Die Reputation eines bezahlt werbenden - und nicht aus persönlichen Erfahrungen glaubwürdig empfehlenden - wird (über kurz oder lang) soweit sinken, das er schließlich geblockt wird.

hier noch paar tipps:
1. jack trout lesen.
2. brand hijack lesen
3. ggf. noch "communities dominate brands" lesen
ach und -> http://www.zlio.com angucken :)

Spontan frage ich mich, wo der Unterschied zwischen dem Einbau irgendeines Shopping-Widgets in mein Blog und einer Tupper-Party ist. Gute Produkte empfehle ich ja eh weiter, auch ohne Provision.

@ hannes.
tupperparties - sehr schöner vergleich, danke. die me-shops unterscheiden sich dadurch, daß der ganze kaufprozess im banner abgeschlossen wird. du kaufst praktisch bei deinem freund, überläßt aber einem händler die logistik. das unterscheidet me-shops von normalem affiliate. das hätte ich vielleicht im text noch besser ausarbeiten sollen.

Im Klatext heißt das für uns MArketer doch.

a) habe ich überhaupt ein Produkt das Me-Commerce tauglich ist und

b) wer meiner bestehenden Kunden ist Blogger.

Hierbei sollte man m.E. nicht vergessen, daß ein Weblogger ja nicht nur Wordpress und Typpad-User sind, sondern das man auch eine del.ico.us page, plazes.com-site oder eine Flickr-Photo-Seite als Weblog definieren könnte!

Ach so und mein Daily-Me-Commerce-Tip:
http://www.gameduell.de/gd/k19.do?action=

Ist das jetzt Me-Commerce oder schon Kommentar-Spam?

@Mark: Super-Artikel! Der kleinste POS wandert zum Empfehler. Ist doch eigentlich Klasse, oder?

Jetzt muss der Blogger nur noch (bereitwillig?!) für ein positives Me-Too Umfeld sorgen. Man gebe mir einen deutschen umfassenden Produktkatalog mit Allem was das Herz begehren könnte (und sofort kopierbaren Affi-Links, Suchfunktion, etc.), einen Vertrag mit allen Freiheiten und ich mache sofort mit.

@Mark: BTW ... Konsequentes Kleinschreiben verlangt andere Zeichensetzung z.B. " . " (Der Besserwisser)

@Alexander: Exzellenter Kommentar in Sachen "Side Kicks (Flickr, etc.) sind auch nur Blogs". Das wird hierzulande noch komplett ignoriert. Side Kicks sind übrigens auch tolle Traffic Erzeuger.

So da haben wir jetzt mal einen ersten ME-Commerce Test für Blogger. Da Blogger.com keine Trackbbacks kann poste ich da jetzt mal hier als Comment:

http://www.korte.de/alexander/2006/08/me-commerce-von-gameduell.html