In den USA schon gang und gäbe, in Deutschland im Zuge der immer professioneller und kommerzieller werdenden Blogs, z. B. Corporate Blogs, immer mehr ein Thema: Paid Blogging.
Blogs als Marketingkanal
Beim Paid Blogging werden Blogger für das Bewerben von Produkten oder Dienstleistungen entweder auf ihrem eigenen Blog oder auf dem Blog des Anbieters bezahlt. Dieses positive vermeintliche Kundenfeedback und die Verlinkungen verhelfen Unternehmen zum einen zu einem positiveren Image und in Folge möglicherweise auch zu einem besseren Geschäft. Zum anderen führen die Mehrfachverlinkungen zu einer besseren Position im organischen Index von Google. Somit kann dem Begriff Blog noch eine ganz neue Bedeutung beigemessen werden: Better listings on Google.
Das Businessmodell
In den USA bezahlen Firmen wie PayPerPost.com und Blogitive ihre Blogger dafür, dass sie redaktionellen Content erstellen und ein Produkt oder eine Dienstleistung promoten. Somit handelt es sich um ein neues Finanzierungs- und Marketingmodell mit einer Win-win-Situation für Unternehmen und Blogger. Auch im deutschsprachigen Raum sorgt der Schweizer Anbieter trigami mit seinem Marktplatz dafür, dass Kunden und Blogger zusammengeführt werden und Blogger für Produktrezensionen der teilnehmenden Kunden bezahlt werden. Die Verdienste sind hierbei recht unterschiedlich, abhängig von Angebot, Nachfrage, Reichweite und Qualität des Blogs. Laut Eigenauskunft von trigami liegt die Verdienstmöglichkeit zwischen 7 und 150 Euro pro Rezension.
Bezahlte Information vs. Blogger-Ehre
Stellt sich natürlich die Frage, inwieweit diese Professionalisierung und Monetarisierung mit dem ursprünglichen Gedanken des Bloggens vereinbar ist. Bloggen als elementarer Bestandteil des Web 2.0 steht wie auch das Diskutieren in Foren für generischen user-generated Content - wobei bei manchen Blogs die Suche nach Content oftmals erfolglos ist ;). Erwartet werden freie Meinungsäußerungen und -bildung ohne Beeinflussung durch Unternehmen, öffentliche oder nicht-öffentliche Stellen. Dieses Prinzip wird durch Paid Blogging maßgeblich unterwandert. Zwar werden aufgrund der rechtlichen Situation in Deutschland die gekauften Beiträge gekennzeichnet, um den Vorwurf der Schleichwerbung zu umgehen, und trigami weist in seinen AGBs ausdrücklich darauf hin, dass selbstverständlich auch negative Rezensionen zugelassen werden, um die redaktionelle Freiheit zu gewährleisten. Aber wie's in der Praxis aussieht, ist sicherlich eine andere Frage.
Erfolgsmodell für Deutschland?
Durch den hohen Nutzungsgrad von Blogs in den USA ist die Schaltung von Werbung entweder in Form von Artikeln oder von klassischen Bannern durchaus eine neue, gelungene Werbe(platt)form. Wie die jüngste Studie von Synovate zeigt, lesen 40 Prozent der US-Bürger Blogs, 43 Prozent von ihnen nehmen zudem Werbung auf diesen Seiten wahr. In Deutschland hingegen sind Blogs weitaus weniger prominent. Zwar weist eine Studie der Universität Leipzig zum Blogverhalten einen Bekanntheits-/Nutzungsgrad von Blogs von rund 80 Prozent der 605 Befragten aus, allerdings handelt es sich bei dem Sample um Heavy-User und Trendsetter, deren generelles Internetnutzungsverhalten überdurchschnittlich ist. Auch sehen die User Blogs erst in nachgelagerter Rangfolge als qualitative Informationsquelle oder Meinungsbildungsplatz und in erster Linie (28,2 Prozent) als digitales Tagebuch.
Vor diesem Hintergrund erscheint auch das Fazit der Betreiber von Hitflip, die als eine der Ersten das Blogpost-Sponsoring von trigami ausprobiert haben, nicht verwunderlich: Eher mau als schau. Demnach sollen die viralen Effekte kaum spürbar gewesen sein, und die Resonanz sei aufgrund der mangelnden Reichweite und Qualität der Blogs gering gewesen.
Fazit: Potenzial vorhanden. Ausbaufähig.
Abschließend lässt sich festhalten, dass Deutschland auch im Bereich Blogging noch ein Entwicklungsland ist und somit die Erfolgschancen, hier als Unternehmen durch Blogposts wahrgenommen zu werden, eher gering sind. Allerdings ist diese Werbeform noch recht neu, und man sollte der Entwicklung noch etwas Zeit und vor allem eine Chance geben. So zeigt die Leipziger Studie auch, dass rund ein Viertel der User Blogs nutzen, um sich über Produkte zu informieren. Auch sind Blognutzer mehrheitlich aktive Konsumenten, die Informationen weitergeben und somit als Multiplikatoren wirken. Marketingtechnisch betrachtet also durchaus interessant. Von besonderem Interesse dürften hierbei die privaten Blogs sein, da ihre Glaubwürdigkeit weit über denen von Corporate Blogs liegt.
Es liegt also an jedem Blogger selbst zu entscheiden, ob diese Werbeform für ihn in Frage kommt oder ob er sich nicht "kaufen lassen möchte". Grundsätzlich halte ich diese Art der Produktbewerbung auch nicht für "verwerflicher" als jegliche andere Form des Werbens. Wer den Beiträgen im Internet mit etwas kritischer Distanz und gesundem Menschenverstand begegnet, sollte auch mit bezahlten Blogposts kein Problem haben.
Liebe Kristin
Vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel und die Erwähnung von trigami.
Dass die Hitflip-Testkampagne eher Mau als Wow war, ist retrospektiv betrachtet gar nicht verwunderlich, denn eine Kampagne mit 6 eher kleineren Blogs ist ganz klar eine "Mini"-Kampagne (auch war das Budget entsprechend "mini"). Wir haben bereits Kampagnen mit 50-100 Blogbeiträgen durchgeführt - und da passiert erwartungsgemäss einiges mehr (bei 50-100 Blogbeiträgen beträgt das Budget 2500-5000,- EUR, also immer noch relativ "kleine" Beträge verglichen mit klassischen Marketingkampagnen).
Wir sehen uns deswegen auch nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung des modernen Marketing-Mix. Dies versuchen wir unseren (potenziellen) Kunden auch so darzulegen.
Viele Grüsse aus Basel
Remo Uherek
Hallo Remo,
danke für dein Feedback. Auch ich sehe Paid Blogging als Ergänzung zu anderen Online Marketing Maßnahmen und verfolge gespannt die weitere Entwicklung. Ich freue mich auch über weitere Auswertungen / Erfahrungsberichte eurerseits von Kampagnen, um zu sehen "wo die Reise hingeht".
Viele Grüße aus der Hansestadt,
Kristin
Solange Blogs in Deutschland in der öffentlichen Wahrnehmung weiter knapp an der Grenze zur Bedeutungslosigkeit weiterdümpeln, bleiben diese als Werbeplattform relativ unrelevant. In den USA sind da ganz andere Voraussetzungen gegeben, wie du auch geschrieben hast. Interessanter für Blogger auf Fachblogs sind derzeit sicherlich Link- und Bannerwerbung mit echtem Inhaltsbezug (nicht Adsense, sondern bewusste Buchungen), sowie Affiliate-Programme. Problem aber auch hier: Die Liste der deutschen Fachblogs ist verdammt kurz (ausgenommen IT-Themen und "Pornoblogs"), insbesondere scheinen deutsche Wissenschaftler die Chance, ihre Thesen und Ergebnisse in Blogs kundzutun, nicht wahrnehmen zu wollen.
Hallo Stefan,
ja, leider sind wir in Deutschland bei derartigen (technologischen) Entwicklungen meist weit hinterher. Bleibt zu hoffen, dass durch das Engagement und die Beteiligung z.B. von Verlagshäusern an solchen Plattformen die Akzeptenz, Nutzung und in Folge auch die Vermaktung steigt. Ein gutes Beispiel ist meiner Meinung nach die Beteilung von Hubert Burda Media an scienceblogs.com. Eine deutsche Version ist Medienberichten zufolge ebenfalls geplant.
Viele Grüße nach Münster,
Kristin