Handy TV - quo vadis?

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Der Zuschlag für die Sendeplattform für Handy TV auf DVB-H Technik ist letzte Woche überraschenderweise an den großen Dreien der Mobilfunkbranche vorbeigegangen. Und das, obwohl T-Mobile, Vodafon und O2 zuvor ein Konsortium gebildet hatten. Den Zuschlag von der Landesmedienanstalt erhielt nun Mobile 3.0, ebenfalls ein Konsortium von Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) und Neva Media.

Handy TV - ein Milliardenmarkt?

Laut der Mobile TV 2010 Studie von Goldmedia besteht bei potenziellen Nutzern von Handy TV aufgrund der Angebotsbreite bei mobilem Fernsehen eine hohe Akzeptanz und ein hohes Interesse. Ausgehend von der erwarteten positiven Entwicklung des Marktes in Deutschland prognostizierte Goldmedia einen Umsatz von 450 Millionen Euro auf Endkundenebene. Das MFD/Neva Media Konsortium rechnet mit insgesamt 2,5 Millionen Kunden in den nächsten drei Jahren und somit mit der Erreichung der Gewinnschwelle. Andere Experten wie Ralf-Gordon Jahns von Capgemini sind dagegen weitaus skeptischer. Er rechnet mit nur drei Millionen Kunden bis zum Jahre 2012 und sieht die Geschäftsentwicklung aufgrund der hohen Investitionskosten wesentlich kritischer.

Eine Frage der Kooperation

Die Frage, ob sich Handy TV zum Milliardengeschäft entwickeln wird oder hinter den Erwartungen zurückbleibt, ist vor allem auch eine Frage der Zusammenarbeit zwischen Mobile 3.0, T-Systems und den Mobilfunkbetreibern. Zwar hat Mobile 3.0 mit der zunächst auf drei Jahre befristeten Lizenz für die Sendeplattform die Basis für den Aufbau von Handy TV gelegt. Dennoch wurden die Sendefrequenzen bzw. das Sendenetz von der Bundesnetzagentur der Telekom Tochter T-Systems zugeteilt. Auch die Mobilfunkbetreiber, die die Mehrzahl aller neuen Handys auf den Markt bringen, sind zur Kooperation angehalten. Aus Branchenkreisen war zu hören, dass es als Motivationsanreiz sogar Verkaufsprämien für Händler geben wird. Alles in allem dennoch ein schwieriges Unterfangen.

Neue Technik, neues Glück?

Was dürfen wir als Kunden also von dem neuen Mobilfunkangebot erwarten, das den letzten Planungen zufolge etwa fünf bis sieben Euro im Monat extra kosten soll? Ausschlaggebend für die Akzeptanz und die Entwicklung dieses Angebots ist sicherlich die Vielfältigkeit der angebotenen Programme. Neben den etablierten Sendern wie ARD, ZDF, Pro 7, Sat 1 und RTL, denen schon entsprechende Kanäle zugesichert wurden, gilt es neue Spartenangebote für das Handy zu schaffen. Ein echter Mehrwert eben. Auch die technischen Voraussetzungen (einheitlicher Standard sowohl bei der Verbreitung als auch bei Mobiltelefonen) sowie ein flächendeckender Empfang des TV-Signals spielen eine entscheidende Rolle bei der Frage, wohin Mobile TV sich entwickelt. Denn Schneegeflimmer auf einem kleinen Handy-Display zu sehen, macht nun wirklich keine Freude.

Eine Chance für die Zukunft

Bleibt also zu hoffen, dass die Big Player des Mobilfunkmarktes es schaffen, in guter Kooperation diese Entwicklung voranzutreiben und zu etablieren. Davon abhängig ist nämlich nicht nur der Konsumgenuss für uns Kunden, sondern auch die Vermarktungsmöglichkeiten der Werbungtreibenden. Wenn diese Kooperationen funktionieren, die Preise, das Angebot und die Verbreitung stimmig sind, dann steht einer erfolgreichen Entwicklung auch in Deutschland nichts im Wege. In Südkorea ist das bereits der Fall - dort nutzen schon vier Millionen Menschen Handy-TV. Hierzulande ist mit den ersten Sendungen im Wirkbetrieb im DVB-H Standard allerdings frühestens zur Cebit 2008 zu rechnen.

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