Unternehmer oder Einzelpersonen, die Suchmaschinenmarketing (SEM) über Affiliate-Netzwerke betreiben und dabei häufig ohne eigene Website direkt auf die Seite des Advertisers verlinken, gehören seit Bestehen der Affiliate-Netzwerke zu den erfolgreichsten. Doch wie funktioniert dieses Geschäftsmodell, ist es ein Erfolgsmodell auch für Advertiser und welche Risiken bestehen?
Wie funktioniert's?
Affiliates sind Publisher, die sich bei einem der Netzwerke wie Zanox, Affili.net oder Commission Junction (CJ) im Partnerprogramm (PP) eines Advertisers mit einer E-Mail-Adresse oder einer eigenen Homepage registriert haben. Viele Affiliates nutzen Suchmaschinenmarketing, um Traffic auf ihre Seite zu bekommen. Denn nur wenn ein Internetnutzer das Werbemittel des Advertisers auf der Seite des Affiliates klickt und dieser Klick auch zu einem Lead führt, bekommt der Advertiser die Partnerprovision.
Da viele Affiliates kleinere oder unbekannte Seiten haben, brauchen sie die Prominenz auf der gängigsten aller Suchmaschinen: Google. Doch nicht nur um Traffic auf ihre eigene Seite zu bekommen nutzen Affiliates Suchmaschinenmarketing, vielfach verlinken die Sponsored-Search-Anzeigen auch direkt auf die Seite des Advertisers. Um die Affiliateprovision zu kassieren, wird der im PP generierte HTML-Verlinkungscode hinterlegt.
Aus Sicht der Affiliates
Gerade größere Affiliates nutzen SEM, um Gewinne realisieren zu können. Sie nutzen dabei die Möglichkeiten aus, die sich aus der Differenz zwischen dem klickbasierten Kostenmodell (CPC) von Google und dem Cost-per-Action-Modell der Affiliatenetzwerke ergeben können.
Für sie gilt es mittels Optimierung und teilweise unter Zuhilfenahme von fortschrittlichen Technologien wie Gebotsmanagement oder Trackingsystemen eine möglichst große Marge zu erzielen. Dies erfordert neben fortgeschrittenen Kenntnissen im Bereich SEM auch eine permanente Kontrolle der Ergebnisse, die Erstellung neuer Keywords und ein ausgeklügeltes Gebotsmanagement.
Da Affiliates auf eigene Rechnung und somit auch auf eigenes Risiko arbeiten, birgt SEM für sie einige Gefahren. Beherrscht ein Publisher allerdings diese hohe Kunst, so kann er als Top-Affiliate in einem oder mehreren Partnerprogrammen und teilweise in speziellen Kooperationen mit Advertisern, die nochmals Premiumprovisionen verheißen, durchaus einen respektablen ROI erzielen.
Aus Sicht der Advertiser
Welche Gründe kann es aus Sicht eines Advertisers geben, in Sachen SEM Outsourcing zu betreiben? Gerade Unternehmen, die eine große Palette an Waren und Dienstleistungen über das Internet vertreiben oder ein ständig wechselndes Produktportfolio haben, sehen sich mit der Schwierigkeit konfrontiert, ständig neue Keywords zu finden und einzubuchen. Die Auslagerung auf Affiliates ist eine gute Möglichkeit für Advertiser, die keine Agentur haben, die diese Form des Onlinemarketings betreibt und für die Keywordrecherche verantwortlich zeichnet.
So verlagert sich zum einen der Aufwand, aber auch das Risiko, das SEM mit sich bringt. Da Affiliatemarketing ein rein performance-, also erfolgsbasiertes Modell ist, trägt der Advertiser in diesem Fall nur die Kosten für Leads. Und diese sind vorher kalkuliert, die Werbungskosten entfallen. Auch das Tracking wird über das Partnernetzwerk abgewickelt. Und Top-Affiliates sind der Schlüssel zu einem funktionierenden Affiliatemarketingkanal, denn sie machen rund 90 Prozent des Umsatzes aus. So kann sich durch SEM-Affiliates eine spezielle win-win-Situation für beide Seiten ergeben.
Situation in Deutschland
Wie sieht die Kooperation von Advertisern mit SEM-Affiliates in der Realität, speziell in Deutschland aus? Beim Blick auf die zahlreichen Partnerprogramme lässt sich erkennen, dass viele Advertiser SEM nicht oder nur sehr eingeschränkt zulassen. Gerade Unternehmen aus sensiblen Wirtschaftsbereichen wie dem Finanzmarkt achten stark auf eine entsprechende seriöse und korrekte Außenwirkung und befürchten einen Schaden ihrer Marke und Imageprobleme durch SEM-Affiliates, die in ihrer Anzeige möglicherweise falsche Informationen angeben oder Rechtschreibfehler machen. Auch ist Brand Bidding, also das Einbuchen von Unternehmensbegriffen, markenschutzrechtlich untersagt.
Die virtuelle Vetriebsmannschaft ist daher bemüht, mit der Whitelist der Keywords über die Suchmaschinen, die die größten Traffic-Verteiler sind, möglichst qualifizierten Traffic auf ihre Seite zu lenken. Die diversen Einschränkungen in den Partnerprogrammen hinsichtlich SEM führen dazu, dass hierzulande Publisher wesentlich stärker auf die Optimierung im organischen Bereich mittels Suchmaschinenoptimierung (SEO) setzen.
SEM Affiliates zulassen ja oder nein?
Die Frage, ob SEM-Affiliates als positiv oder negativ zu werten sind, ist ganz klar eine Frage des Standpunktes. In einschlägigen Affiliateforen sowie in einem gerade veröffentlichten Artikel in der neuesten Ausgabe der Internet World gibt es zahlreiche Stimmen dafür. So plädiert Michael Kruse, Affiliate Marketing Manager von CJ, in seinem Artikel für mehr Freiraum für Affiliates hinsichtlich der Verwendung von Display-URLs und Trademarks als Keywords.
Diese und andere Meinungen von Affiliates sind sicherlich ziemlich einseitig. Denn betrachtet man die andere Seite der Medaille, so kosten SEM-Affiliates Agenturen und auch Unternehmen, die SEM inhouse betreiben, echtes Geld, da sie teilweise den Traffic abgraben. Denn gerade bei der Verwendung von Unternehmensbegriffen und Display-URLs kommt es aufgrund der Bestimmungen bei Google zu einem Kannibalisierungseffekt, da pro Suchbegriff nur eine Link-URL zugelassen ist.
Anders ausgedrückt ist hier eine Verschiebung der Werbungskosten zu beobachten. Statt bei Suchmaschinen für Klicks zu bezahlen, bezahlt der Advertiser einen CPA für den Affiliate. Hierbei ist natürlich fraglich, welches kostenextensiver ist. Auch untergräbt das SEM-Gebaren der Affiliates natürlich zutiefst die Bemühungen von Agenturen, deren Brot-und-Butter-Geschäft erfolgreich betriebene SEM-Kampagnen sind.
Weitere Folgen einer generellen Öffnung des Affiliatemarketing gegenüber SEM sind aufgrund der unübersichtlichen Netzwerke kaum abzuschätzen. Bei mehreren tausend Affiliates pro PP, von denen jeder ungehindert SEM betreiben kann, ist die Kontrolle von Texten hinsichtlich richtiger Schreibweise und die Wahrung eines Markenimages ein schwieriges Unterfangen. Deshalb: SEM-Affiliates zulassen ja, aber nur selektiv unter Einhaltung spezieller Restriktionen.