Behavioral Targeting ist zurzeit in aller Munde - allerdings eher in negativer Hinsicht. Die jüngsten Vorkommnisse bei Facebook lassen die Online-Welt aufhorchen. Unabhängig von dieser kritischen Berichterstattung gibt der Mediabrief einen kurzen und objektiven Überblick über das BT-Angebot der Vermarkter in Deutschland.
Obwohl uns die Tagespresse Glauben machen will, dass BT bereits weit verbreitet ist, steckt das Thema in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Selbst die Vermarkter, die bereits auf diesem Gebiet tätig sind, befindet sich oft noch in der Test-Phase. Eine Vielzahl von Vermarktern sind noch längst nicht auf den Zug Behavioral Targeting aufgesprungen. Oft mangelt es sogar noch am soziodemografischen Targeting wie Geschlecht und Alter. Unterstützung für die Umsetzung holen sie sich dabei in der Regel von technischen Dienstleistern wie nugg.ad, wunderloop oder newtention.
Wo geht also die Reise hin, ist BT ein Thema der Zukunft auch in Deutschland? Glaubt man den ersten euphorischen Case Studies auf diesem Gebiet (so z.B. von Advertising.com oder nugg.ad), dann ist Behavioral Targeting das Allheilmittel für die Zielgruppen-genaue Ansprache.
Was aber der Traum vieler Werbetreibender ist - nämlich sein Budget möglichst ohne Streuverlust einzusetzen - wird für den privaten User immer mehr zum Horror-Szenario, da Profildaten mittlerweile extrem transparent dargestellt werden können.
Man kann nur hoffen, dass die Deutschen aus den Fehlern der ausländischen Anbieter lernen und sich diese Chance der relevanten Konsumenten-Ansprache nicht selbst verderben.
Habe ja schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass die Facebook-Initiative wirklich unsäglich ist - nicht nur weil das Produkt so nicht funktionieren wird (wovon ich überzeugt bin) sondern weil es die Targeting-Industrie in eine Ecke bringt wo wir nicht hingehören und auch nicht sein wollen. Den Ausverkauf der Userprofile wirds bei uns jedenfalls nciht geben. (http://blog.nugg.ad/2007-11-10/facebook-targeting-womit-eigentlich/ und http://www.handelsblatt.com/News/printpage.aspx?_p=302030&_t=ftprint&_b=1360811)
An dieser Stelle sei auch auf den BVDW Arbeitskreis Targeting hingewiesen, der am 14.12. wieder in Hamburg tagt.
Infos unter http://www.bvdw.org/fachgruppen/online-vermarkterkreis/arbeitskreise/targeting.html
Ich darf hier auch auf meine Stellungnahme zu diesem Artikel in meinem Blog hinweisen:
(...)
Liebe Claudia,
hier werden Äpfel und Birnen vermischt!
Du kannst nicht die Pseudo Ansätze von Facebook mit excellenten Anbietern wie nugg.ad in einem Topf schmeissen. Das ist wie einen Lada mit einem Mercedes zu vergleichen: kann man, hinkt aber!
Ich habe ehrlich gesagt auch noch keine euphorischen Case Studies von Advertising.com oder nugg.ad gesehen, sondern positive Case Studies. Natürlich nimmt kein Unternehmen, und auch kein SinnerSchrader, eine schlechte Kampagne oder auch nur eine mittelmäßige für eine Case Studie her. In meinen Vorträgen zu BT weise ich aber auch immer auf die Knackpunkte hin, um hohe %tuale Konversionssteigerungen zu erreichen.
Ich kann auch nicht nachvollziehen, was denn die Fehler der ausländischen Anbieter sein sollen und schon gar nicht sehe ich BT als Horror-Szenario für den User.
Bei aller Freundschaft, hier hast Du deutlich über das Ziel hinausgeschossen und nicht wirklich Kompetenz bewiesen!
Am 14.12. ist eine Sitzung des BVDW AK Targeting, in der unter anderem auch zu den Bemühungen der EU Kommission eine Stellungnahme erarbeitet wird. Die anwesenden Unternehmen sind von solcher Reputation, daß daraus schon abzuleiten ist, daß es nie und nimmer zu einem Horros-Szenario in Deutschland kommen wird.
Behavioral Targeting habe ich gerade auf der OMF Tour als Trend vorgestellt und das ist es noch. Die Early Adaptors sind dabei und der Massenmarkt steht sicher noch bevor...
(...)
Lieber Harald,
ich kann Deine Kritik nicht ganz verstehen.
Die eigentliche Intention meines Artikels war, nur eine kurze Übersicht über die Anbieter von BT in Deutschland (deshalb hier die Quellenangaben) zu geben. Aber ich denke, dass es noch mehr Praxisbelege geben muss, damit man den Kunden das Thema auch mit gutem Gewissen verkaufen kann und das Ganze eine „saubere“ Datenangelegenheit wird. Das gilt es zu entwickeln und zu belegen.
Ich selbst finde das Thema Behavioral Targeting generell extrem spannend und eine gute und neue Möglichkeit für Werbetreibende ihre Zielgruppen zu erreichen. Aus persönlicher User-Sicht finde ich es allerdings ziemlich alarmierend, was die Transparenz und Verbreitung meiner persönlichen Daten angeht - speziell wenn ich die Verbreitung nicht mehr selbst steuern kann bzw. bestimmte Profil-Information automatisch freigeschaltet sind. Den Facebook-Usern ging es dabei ja anscheinend nicht anders. Facebook steht damit ja aber nicht alleine da – auch Amazon.de macht dieses mit seinem automatisch freigeschalteten „Wunschzettel“ oder Xing mit seiner neuen Funktion „Neues aus meinem Netzwerk“.
Ich finde, dass wir in Deutschland nicht die gleichen Fehler wie Facebook in den USA machen sollten, damit das Thema BT in Deutschland auch eine Chance erhält und eine feste Größe in der Werbewelt werden kann. Negative Presse wie die von Facebook kann Werbekunden verunsichern – und das ist sicher das Letzte, was die Online-Werbewelt gebrauchen kann.
Liebe Grüsse aus Ottensen!