Februar 2008 Archive

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Durch die aufsehenerregende und heiß diskutierte Änderung der AGBs von StudiVZ ist das Thema personalisierte Werbung wieder ganz nach vorne gespült worden. Personalisierte Werbung will heißen, Werbung auf jede Person zugeschnitten, bei Community Portalen / Social Networks wie StudiVZ oder Facebook bereits gang und gebe und kein Tabu mehr. Möglich gemacht wird dieses Zuschneiden von „passender" Werbung durch die Angaben in den Nutzerprofilen. Durch diese Userdaten wird ein Targeting ermöglichst, welches nach Aussage von Marcus Rieke, Geschäftsführer von StudiVZ sicherstellt, „dass unsere Nutzer Werbung sehen, die gezielt auf sie zugeschnitten und somit für sie relevanter ist". Aber wollen die User dies, und wie gewinnversprechend ist diese Art der Werbung für die werbetreibenden Unternehmen?

Die Social-Communities

Plattformen wie StudiVZ.net oder Facebook.com , deren Angebot für die User grundsätzlich kostenfrei ist, sind auf die gewinnbringende Vermarktung ihrer Werbeflächen angewiesen. Selbst die Businessplattform Xing, die sich zunächst nur durch Premiummitgliedschaften finanzierte, setzt jetzt verstärkt auf Werbung. Damit diese Werbung aber nicht nur einfaches Display-Advertising ist, bei dem unkontrolliert eine gewisse Anzahl PIs ausgespielt wird, setzen die Marketingverantwortlichen auf personalisierte Werbung. Die angelegten Nutzerprofile bei den Social Network Communities bieten hierfür die ideale Grundlage. Sie enthalten neben demographischen Angaben zu Alter, Geschlecht und Wohnort oftmals noch eine Vielzahl von „weichen" Kriterien wie Hobbies, Studienfachrichtung, besondere Vorlieben etc. pp. Alles Daten, die durch die Änderung der AGBs - wie z.B. bei StudiVZ - quasi freigegeben wurden und nun zum Anbieten von Targeting dienen. Dabei legen die Betreiber der Plattformen Wert darauf, dass diese Werte nicht an Dritte verkauft werden oder offen an Werbekunden weitergegeben werden.

Die werbetreibenden Unternehmen

Werber interessieren sich grundsätzlich für möglichst präzise Informationen über ihr Publikum, weil Gewöhnungseffekte die Effektivität herkömmlicher Werbung abschwächen. Die Erfahrungen speziell im Display Advertising und im E-Mail-Marketing / Newsletter-Marketing zeigen, dass ein zielloses, genormtes und generelles „Beschießen" der User mit Werbung vor allem Impulskäufe verhindert. Gerade bei einem wechselnden Produktangebot und bei Konsumgütern kommt es aber darauf an, beim User einen gezielten Kaufimpuls und einen gefühlten Bedarf zu wecken. Von personalisierter / individualisierter Werbung versprechen sich die Werbetreibenden höhere Klickzahlen und in Folge auch eine höhere Conversionrate: entscheidende Faktoren im Performance Marketing. So ist das Thema Targeting bereits seit längerem in aller Munde und Spezialdienstleister wie wunderloop und nugg.ad stellen entsprechende Technologien zur Verfügung. Genauso wie im klassischen Marketing, wo mit Zielgruppensegmentierungen gearbeitet wird, müssen auch in der Onlinemediaplanung solche Kennzahlen berücksichtigt werden. Und zwar nicht nur in der Preselektion der Werbeträger sondern auch in der Weiterführung auf dem einzelnen Werbeträger. Nur so lassen sich auf dem hart umkämpften Onlinemarkt Ergebnisse noch skalieren und ökonomischer gestalten.

Die User

Was haben nun die Konsumenten von personalisierter Werbung, nehmen sie diese wahr, wie ist die Akzeptanz und die Reaktion darauf? Die erste Welle der Empörung schwappte auf, als StudiVZ auf Zustimmung der neuen AGBs pochte und mit Profilabschaltung drohte. Dennoch haben rund 90% der User zugestimmt, da viele die meisten ihrer Kontakte dort haben und auf diese nicht verzichten wollen. Ein sozialer Dienst ist für das einzelne Individuum umso relevanter, je mehr bestehende Kontakte bereits dort sind. So ist auch der häufigste Grund, warum Nutzer aus einem Social Network austreten, dass Freunde auch nicht mehr angemeldet sind. Bezüglich personalisierter Werbung sind die User deutlich kritischer. Zum einen begründet sich die Skepsis auf die Art der Diskussion des Themas in den Medien, wo sich dem einen oder anderen der Eindruck aufzwängte, dass sie mit Zustimmung der AGBs auch dem Verkauf persönlicher Daten zugestimmt hätten. Zum anderen geben zwar erstaunlich viele User sehr intime Dinge von sich preis, wollen aber trotzdem nicht an dieser „verwundbaren Stelle" getroffen werden. So geben in einer repräsentativen SPIEGEL ONLINE Leserbefragung 77% an, gar keine Personalisierung zu wünschen. Etwas milder fällt da schon das Ergebnis der „Forschungsgruppe Kooperationssysteme" der Universität der Bundeswehr München aus. Die Mitglieder haben sich intensiv mit der Nutzung und der Einstellung zu Social Networks beschäftigt und herausgefunden, dass 30% der Befragten personalisierte Werbung egal ist. 12,2% begrüßen diese sogar. Demgegenüber stehen allerdings Prozentsätze von 37 und 18,2 die sich eher bzw. sehr gestört fühlen.

Der Markt

Wie sieht es im Markt generell mit Targeting / personalisierter Werbung aus und wie wird sich das Werbeinvestitionsvolumen im Web 2.0 entwickeln? Laut dem Beratungsunternehmen Optaros wird auch 2008 das Web 2.0 boomen und Social Network Plattformen werden sich neben E-Mails zum primären Kommunikationsmittel entwickeln. Für die Vernetzung der einzelnen Plattformen sorgt Open Social als API-Standard, der für einen besseren Überblick sorgen wird. Eine Prognose zu den Werbeausgaben auf eben diesen Plattformen lieferte letzte Woche Emarketer. Demnach werden sich die Spendings von 1,2 Mrd. Dollar im letzten Jahr auf 1,9 Mrd. in 2008 erhöhen, für 2011 werden sogar Ausgaben in Höhe von 3,6 Mrd. Dollar prognostiziert.

Fazit

Targeting, personalisierte Werbung und personalisierte Benutzeroberflächen wie z. B. bei Gmail oder demnächst auch bei Youtube werden sicherlich immer mehr zunehmen. Die Bedenken der User bezüglich der Verwendung ihrer Daten zu Werbezwecken kann ich in Teilen nachvollziehen, nicht umsonst wurde StudiVZ kürzlich von der Verbraucherzentrale wegen der unsauber formulierten AGBs und der betreffenden Einwilligung abgemahnt. Doch andererseits muss man sich wirklich fragen, warum die User derart viele Daten von sich ins Netz stellen und nicht einfach die Möglichkeiten der Ausschaltung der persönlichen Werbung, die es auch bei StudiVZ gibt, nutzen. Laut der innenpolitischen Sprecherin der FDP Bundestagsfraktion Gisela Plitz „muss den Menschen endlich bewusster werden, dass ein leichtfertiger Umgang mit persönlichen Daten ernste Konsequenzen haben kann." Für Werber werden aufgrund von gelernten Erfahrungen die gezieltere Ansprache sowie neue, innovative Werbeformen wie z.B. Sponsoring von Premiumaccounts immer wichtiger, da reine Bruttoreichweiten immer mehr an Bedeutung verlieren. Doch bei derart geringen Klickraten von unter 0,1% - diese Erfahrung machte Spreadshirt auf Myspace.com - ist die reine Konzentration auf diese Art der Segmentierung auch nicht der richtige Weg. Das Ziel muss eine doppelte Herangehensweise sein, zum einen das Bewerben einer größeren Masse zur Erhaltung der Reichweite, zum anderen ein Targeting auf einzelne User.

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Jetzt hat also auch im Traditionshaus Brockhaus das digitale Zeitalter begonnen. Wie das Mannheimer Institut am Mittwoch bekannt gab, wird die klassische Printausgabe der Enzyklopädie in 30 Bänden - die Ikone des deutschen Bildungsbürgertums - ab sofort eingestellt. Damit reagiert das Unternehmen auf die schwachen Verkaufszahlen und absehbare Millionenverluste der letzten Jahre, obwohl viele Kunden in Internetforen das Ende DER Enzyklopädie bedauern. Damit ist die 2006 erschienene 21. Auflage das letzte Print-Produkt dieser Art des Bibliographischen Instituts & F.A. Brockhaus.

Der gedruckte Brockhaus ist tot - was kommt jetzt?

Laut Pressemitteilung von Brockhaus will der Verlag zum 15.04. dieses Jahres mit einem umfangreichen Lexikonportal online gehen, also Brockhaus nicht mehr zum Blättern, sondern zum Durchklicken. Zwar gab es Inhalte der Lexika bereits online, allerdings nur als Paid Content. In Zeiten von Wikipedia und anderen kostenlosen Wissensquellen im Internet allerdings kein erfolgversprechendes Modell, sondern eher ein Flop.

Der „Wissensmarkt"

Die zentrale Frage nach dem Online-Erfolg vom Brockhaus wird klar davon abhängen, ob sich die E-Bibliothek gegen Wissenskataloge wie Wikipedia oder Spiegel Wissen durchsetzen kann. Brockhaus selbst argumentiert mit der Qualität der redaktionell aufbereiteten Wissensbeiträge und der fehlenden Manipulierbarkeit. Laut Brockhaus liefert deren Online-Angebot Sicherheit und hohe Fundiertheit im Gegensatz zum „Wissen der Masse" (Wikipedia). Ein Test des „Stern" hat jedoch die Richtigkeit und Vollständigkeit der Wikipedia-Plattform unterstrichen. Hier setzte sich die kostenfreie User-generated-content Plattform sogar gegen das kostenpflichtige renommierte Angebot von Brockhaus durch. Auch die Konkurrenz schläft nicht. Pünktlich zur Ankündigung von Brockhaus, vom traditionellen Printgeschäft Abstand zu nehmen, launchte der Spiegel-Verlag zusammen mit Bertelsmann und Wikipedia mit ebenfalls „Das Lexikon der nächsten Generation".

Chancen des neuen Geschäftsmodells

Für die Verbreitung und die Popularisierung der Marke „Brockhaus" im Online-Geschäft wird der Verlag wohl erstmal mit Suchmaschinenmarketing und -optimierung stark in Vorleistung gehen müssen, eine kostspielige (SEM) und zeitintensive (SEO) Investition. Denn erst beim Erzielen einer bestimmten Reichweite werden die Vermarktungsangebote auch für Werbekunden interessant. Ob und wann für Brockhaus die „Suche der Zukunft" auch wirtschaftlich durch erzielte Werbeeinnahmen rentabel wird, bleibt fraglich. Der Verlag, der mit seinem radikalen Schnitt alles auf eine Karte setzt, sieht 2009 als Jahr der Kehrtwende. Der Fall der Encyclopedia Britannia, dem britischen Brockhaus-Pendant, hat allerdings gezeigt, wie sich das Blatt - im wahrsten Sinne des Wortes - auch wieder ändern kann. Hier kehrten die Verleger nach gescheiterten Versuchen genug Werbeeinnahmen durch ihr Online-Produkt zu generieren, geläutert zum traditionellen Print-Objekt zurück

Deutsche Frauen: Topp Online Shopper

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Das Bild kennen wir alle: die deutschen Innenstädte werden überwiegend von tütenschleppenden Frauen auf Beutezug bevölkert. Aber nicht nur in den Fußgängerzonen deutscher Städte sind die Damen topp, sondern auch im Netz sind wir Spitzenreiterinnen unter den Europäern. So shoppen bereits 79% der deutschen Internetnutzerinnen online. Laut der Mediascope Europe 2007, einer Umfrage des europäischen Branchenverbandes der Onlinevermarkter (EIAA), kaufen deutsche Internetnutzerinnen - mit Ausnahme der Britinnen - häufiger ein als ihre europäischen Geschlechtsgenossinnen. Hierbei landen häufig Büchern (55%) und Modeprodukte (44%) im virtuellen Einkaufswagen. Das Shoppen in Online-Boutiquen steht demnach dem physikalischen Bummel in nichts nach. Insgesamt wurden im Halbjahr 177 Millionen Artikel vor allem bei Markenartiklern erworben, das sind rund 270% mehr als der europäische Durchschnitt. Aber auch beim Kaufen im Netz gilt für die Deutschen: Schnäppchen sind Trumpf. Da verwundert es nicht, dass der durchschnittliche Warenkorb mit 558 Euro unter dem des europäischen Durchschnittusers mit 747 Euro liegt. Angesichts des massiven Wachstums des Online-Shopping-Marktes (40% Wachstum in den letzten 2 Jahren), werden sich diese Zahlen bei den nächsten Auswertungen wohl noch erhöhen. Mal sehen, ob es den deutschen Internetusern gelingt, die Südkoreaner, die zu 99% angeben schon mal etwas im Netz gekauft zu haben, einholen können. Immerhin liegen wir derzeit mit 97% zusammen mit Großbritannien und Japan schon auf Platz 2. An den deutschen Kundinnen sollte es nicht scheitern...

Brandaktuell: Das Werbeträgerranking

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Unsere gute alte quartalsweise Serie zum Thema Werbeträgerranking wird heute wieder mit frischer Kost ergänzt. Die am 31.1.2008 von der AGOF veröffentlichen Zahlen aus dem 3. Quartal 2007 haben wir vom Mediabrief wieder mit den Zahlen der IVW gematcht und unsere Top 18 erstellt.

Hier zeigt sich, dass T-Online seine Spitzenposition erneut behaupten konnte und bei allen Kennzahlen noch mal ein gutes Stück zugelegt hat. Die Top 5 mit Web.de, Yahoo!, MSN.de und GMX, die sich hinter dem Werbeträgergiganten einreihen, sind gegenüber der letzten Betrachtung unverändert geblieben. Auffällig jedoch ist, dass MSN trotz starken Rückgangs - gerade hinsichtlich der Reichweite und der PIs - den 4. Platz behaupten konnte. Im Mittelfeld zeigt sich der fortwährende Abstieg von Freenet, das aus dem grünen Bereich gerutscht ist und hinsichtlich der Reichweite ganze 2,7 Prozentpunkte einbüßen musste. Ganz anders sieht die Situation bei Prosieben.de aus, hier stiegen der Traffic und die Reichweite. Neu in der Top 18: Auvito.de, die bislang nicht AGOF-gelistet waren. Von der Bildfläche - zumindest von unserer - verabschiedet haben sich LYCOS, mobile.de und WetterOnline.

Ein Ärgernis/Manko ist und bleibt die Nichtlistung so mancher Titel in der IVW, allen voran die Werbeträger von United Internet Media, was eine Ausweisung der Zahlen und die Vergleichbarkeit deutlich erschwert.