
Jetzt hat also auch im Traditionshaus Brockhaus das digitale Zeitalter begonnen. Wie das Mannheimer Institut am Mittwoch bekannt gab, wird die klassische Printausgabe der Enzyklopädie in 30 Bänden - die Ikone des deutschen Bildungsbürgertums - ab sofort eingestellt. Damit reagiert das Unternehmen auf die schwachen Verkaufszahlen und absehbare Millionenverluste der letzten Jahre, obwohl viele Kunden in Internetforen das Ende DER Enzyklopädie bedauern. Damit ist die 2006 erschienene 21. Auflage das letzte Print-Produkt dieser Art des Bibliographischen Instituts & F.A. Brockhaus.
Der gedruckte Brockhaus ist tot - was kommt jetzt?
Laut Pressemitteilung von Brockhaus will der Verlag zum 15.04. dieses Jahres mit einem umfangreichen Lexikonportal online gehen, also Brockhaus nicht mehr zum Blättern, sondern zum Durchklicken. Zwar gab es Inhalte der Lexika bereits online, allerdings nur als Paid Content. In Zeiten von Wikipedia und anderen kostenlosen Wissensquellen im Internet allerdings kein erfolgversprechendes Modell, sondern eher ein Flop.
Der „Wissensmarkt"
Die zentrale Frage nach dem Online-Erfolg vom Brockhaus wird klar davon abhängen, ob sich die E-Bibliothek gegen Wissenskataloge wie Wikipedia oder Spiegel Wissen durchsetzen kann. Brockhaus selbst argumentiert mit der Qualität der redaktionell aufbereiteten Wissensbeiträge und der fehlenden Manipulierbarkeit. Laut Brockhaus liefert deren Online-Angebot Sicherheit und hohe Fundiertheit im Gegensatz zum „Wissen der Masse" (Wikipedia). Ein Test des „Stern" hat jedoch die Richtigkeit und Vollständigkeit der Wikipedia-Plattform unterstrichen. Hier setzte sich die kostenfreie User-generated-content Plattform sogar gegen das kostenpflichtige renommierte Angebot von Brockhaus durch. Auch die Konkurrenz schläft nicht. Pünktlich zur Ankündigung von Brockhaus, vom traditionellen Printgeschäft Abstand zu nehmen, launchte der Spiegel-Verlag zusammen mit Bertelsmann und Wikipedia mit ebenfalls „Das Lexikon der nächsten Generation".
Chancen des neuen Geschäftsmodells
Für die Verbreitung und die Popularisierung der Marke „Brockhaus" im Online-Geschäft wird der Verlag wohl erstmal mit Suchmaschinenmarketing und -optimierung stark in Vorleistung gehen müssen, eine kostspielige (SEM) und zeitintensive (SEO) Investition. Denn erst beim Erzielen einer bestimmten Reichweite werden die Vermarktungsangebote auch für Werbekunden interessant. Ob und wann für Brockhaus die „Suche der Zukunft" auch wirtschaftlich durch erzielte Werbeeinnahmen rentabel wird, bleibt fraglich. Der Verlag, der mit seinem radikalen Schnitt alles auf eine Karte setzt, sieht 2009 als Jahr der Kehrtwende. Der Fall der Encyclopedia Britannia, dem britischen Brockhaus-Pendant, hat allerdings gezeigt, wie sich das Blatt - im wahrsten Sinne des Wortes - auch wieder ändern kann. Hier kehrten die Verleger nach gescheiterten Versuchen genug Werbeeinnahmen durch ihr Online-Produkt zu generieren, geläutert zum traditionellen Print-Objekt zurück
Der Vorteil geben über Wikipedia sind ja auch die geprüften Inhalte. Bei Wikipedia kann ja eigentlich jeder schreiben.
Die Brockhaus-Bücher waren auch einfach zu unaktuell. Im Internet kann man die immer gleich updaten. Ein riesen Vorteil.
Trotzdem ist es schon etwas traurig, dass die Bücher ganz eingestellt werden. Eine kleine exklusive Auflage sollte man vielleicht aufrechterhalten..