Juli 2008 Archive

Wie bereits im letzten Jahr überschwemmte die Welt auch dieses Jahr die iPhone-Welle: Jeder wollte es haben, die Leute standen Schlange. Das „Handy" (wenn man es so profan überhaupt noch nennen kann) entwickelte innerhalb kürzester Zeit Kultstatus. Seit 11.7. war die zweite Generation mit dem griffigen Namen 3G auch auf dem deutschen Markt erhältlich und innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Die nun Wartenden wurden zwischenzeitlich schon mit Papp-Bastelbögen zum Handy-Selberbauen versorgt.

Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens ComScore ist das iPhone das für das Surfen im mobilen Web meistgenutzte Handy . Demnach suchen 80% der europäischen Apple-Handy-Besitzer nach Informationen im Netz via Mobile. Ebenfalls sehr beliebt ist das Mailen mit dem iPhone, 70% der iPhone-Nutzer versenden und empfangen ihre Mails. Im Gegensatz zu Smartphone-Besitzern sind sie damit deutlich „mobiler", diese nutzen nur zu 32% das mobile Internet.

Der Hype um das iPhone - vielleicht auch eine neue Chance für Mobile Advertising? Bisher fristete das Bewerben von Produkten und Dienstleitungen im mobilen Internet aufgrund zu schlechter und zu teuerer Verbindungen eher ein Nischendasein. Doch die stetige Weiterentwicklung der technischen Infrastruktur sowie der Tarifstrukturen geben dem Trend Mobile Marketing noch mal einen ordentlichen Schub. So verwundert es nicht dass die weltweiten Werbeausgaben für Mobile Advertising laut einer Studie von Strategy Analytics von $ 1,4 Mrd. (2007) auf $ 14,4 Mrd. (2011) steigen werden. Dabei entfallen die Großteile dieser Werbespendings auf Banneranzeigen und Suchmaschinenanzeigen.

Ob nun iPhone oder nicht, jedenfalls hat der Boom um dieses Kultobjekt die Aufmerksamkeit auf das spannende und sich schnell entwickelnde Thema Mobile Marketing gelenkt.

Bewegtbild in HD

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Ein neuer Trend? Oder doch wieder eine Sau, die durch's Dorf getrieben werden soll? Auf jeden Fall gibt es sie jetzt - hochauflösende Video-Werbespots, genannt "high-definition", kurz "HD".

Das Prinzip ist einfach erklärt. Die HD-Videospots werden, wie andere Rich-Media-Formate auch, nicht vollständig beim Seitenaufruf geladen, sondern nachgeladen nachdem sich die Website komplett aufgebaut hat. Das Ergebnis sind Bewegtbild-Inhalte in DVD-Qualität, die auch im Vollbild-Modus angesehen werden können - sofern man das als Surfer denn möchte.

the_happening.png

Diese Qualität hat allerdings ihren Preis ihr Gewicht. Der Adserver-Anbieter Eyeblaster hat für den Kinotrailer zu "The Happening" ein HD-Videospot kreiert, der schlappe 26 MB hat - zum Vergleich: ein aktueller 30-Sekunden-Spot wiegt ca. ein Zehntel.

Ein weiteres Beispiel gibt es bei DoubleClick: Werbespot von Epson

Für Kinotrailer etc. mag dies sicherlich eine sinnvolle Art der Werbeform sein. Ansonsten kann man nur davor warnen, das Medium TV eins zu eins ins Netzt transferieren zu wollen und in Zukunft mit der Rückkehr der klassischen Unterbrecherwerbung, womöglich noch im Vollbild-Modus ohne eine Minimierungsmöglichkeit, die User zu vergraueln.

Die aktuellen Ausgaben für Online-Advertising steigen und steigen - ist dies eine Neuigkeit? Nein, nicht wirklich. Wenn aber die Ausgaben für Online-Aktivitäten die Ausgaben für TV-, Radio- und Kino-Werbung (gesamt) übersteigen, dann schon. Dies geht aus der aktuellen Studie der Beratungsfirma Outsell hervor, die sich mit den Werbeausgaben im amerikanischen Markt beschäftigt.

Demnach werden die Unternehmen in den USA dieses Jahr ca. 105,3 Mrd. Dollar in Online-Aktivitäten investieren. Im Vergleich hierzu werden voraussichtlich lediglich ca. 98,5 Mrd. Dollar in die TV-, Radio- und Kino-Werbung fließen.

Allerdings betrachtet Outsell die Online-Spendings etwas differenzierter. Die genannten 105,3 Mrd. Dollar werden nicht alleine für Display-Advertising, Suchmaschinen-Marketing etc. aufgewendet. Einen Großteil der Summe wird stattdessen von den Unternehmen in die Gestaltung ihre eigenen Websites und -shops (65,1 Mrd. Dollar) investiert.

Die Werbeaudgaben im Print-Sektor werden im Vergleich hierzu laut der Prognose von Outsell in 2008 immer noch einen großen Anteil ausmachen, aber auch hier ist mit einer Senkung von ca. 4% zu rechnen.

Welchen Trend können wir hieraus ablesen? Dass sich die Unternehmen in den USA nicht mehr alleine auf die Angebote der klassischen Medienhäuser zur Erreichung ihrer Zielgruppen verlassen? Dass die Medienhäuser und Verlage zukünftig umdenken müssen und neue Geschäftsfelder schaffen werden? Oder dass dies eine Chance für Interaktivagenturen offenbart, die hieraus ihren Vorteil gegenüber den klassischen Mediaagenturen ziehen können, da Website/Shop-Design künftig einen größeren Stellenwert einnehmen wird?

Wir dürfen gespannt sein, ob und wann dieses Werbespendingverhalten über den großen Teich auch zu uns rüberschwappt.

Wie bereits berichtet, nimmt die Anzahl der Handyapplikationen stetig zu, Mails, Games, Suche. Jetzt gibt es auch die Texte und Bilder von fünf großen Tageszeitungen als mobile Ausgabe. M. DuMont Schauberg startet sukzessive die mobilen Angebote von „Kölner Stadtanzeiger", „Kölnische Rundschau", „Express", „Frankfurter Rundschau" und „Mitteldeutsche Zeitung" auf Handys, PDAs, Blackberrys und iPhones.

Die technische Infrastruktur liefert die Yoc-Gruppe, die Vermarktung der Werbeplätze OMS Online Marketing Service. „Durch neue Geräte und preiswertere Datentarife wird die mobile Internetnutzung immer attraktiver", so Silke Springensguth, Geschäftsführerein der DuMont Net GmbH. Auch Werbungtreibende dürften von dieser Entwicklung profitieren. Denn je mehr User Zugang zu immer mehr mobilen Content haben, umso attraktiver und wichtiger wird diese Zielgruppe auch für die Schaltung von Werbung. Eine Verlagerung der Budgetallokation ist die logische Folge und in den nächsten Jahren zu erwarten.